Mehrere Dutzend Projektgesellschaften des Unterföhringer Immobilienentwicklers Project Immobilien haben Insolvenz angemeldet. Der Fall gilt als symptomatisch für die aktuelle Krise am deutschen Wohnbau-Markt und dürfte sowohl Anleger als auch künftige Mieter treffen. Die genaue Zahl der betroffenen Gesellschaften steht noch nicht fest.

Project Immobilien hatte sich auf die Entwicklung von Wohnprojekten im Großraum München spezialisiert. Die bayerische Region galt lange als besonders stabiler Markt mit hoher Nachfrage. Die aktuellen Insolvenzen zeigen jedoch, dass auch hier die Kombination aus gestiegenen Zinsen, höheren Baukosten und zurückhaltenden Käufern zum Projektabbruch führt. Viele Vorhaben befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Baustadien.

Für Investoren, die über Projektgesellschaften beteiligt sind, bedeutet die Insolvenz in der Regel erhebliche Verluste. Die rechtliche Struktur über separate Gesellschaften je Projekt ist in der Immobilienbranche üblich – sie schützt zwar den Konzern, lässt aber einzelne Geldgeber auf Forderungen sitzen. Auch potenzielle Mieter, die bereits Reservierungen vorgenommen haben, müssen mit Verzögerungen oder dem kompletten Wegfall von Wohneinheiten rechnen.

Der bayerische Immobilienmarkt steht unter erheblichem Druck. Nach Jahren steigender Preise haben sich die Rahmenbedingungen seit 2022 fundamental gedreht. Die Europäische Zentralbank hob die Leitzinsen von null auf über vier Prozent, Baumaterialien verteuerten sich teils um mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig sank die Kaufkraft durch Inflation. Viele Entwickler kalkulierten Projekte noch zu alten Konditionen und können sie nun nicht mehr wirtschaftlich realisieren.

Besonders betroffen sind mittelgroße Entwickler ohne große Eigenkapitaldecke. Anders als börsennotierte Konzerne oder genossenschaftliche Bauträger fehlt ihnen oft der finanzielle Puffer für Durststrecken. Die Stadtentwicklung in Ballungsräumen wie München könnte sich dadurch weiter verzögern – gerade dort, wo dringend Wohnraum benötigt wird. Experten rechnen damit, dass weitere Insolvenzen folgen werden, solange die Zinsen hoch bleiben und die Baukosten nicht sinken.

Für die Baubranche insgesamt verschärft sich damit die Lage. Planungsbüros, ausführende Baufirmen und Zulieferer verlieren Aufträge, wenn Projekte nicht realisiert werden. Die Insolvenzwelle bei Projektentwicklern könnte sich als Dominoeffekt durch die gesamte Wertschöpfungskette ziehen. Auch große Generalunternehmer wie Implenia oder Bouygues Construction spüren bereits den Nachfragerückgang im deutschen Hochbau. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht – erst wenn sich die Finanzierungsbedingungen verbessern, dürfte sich der Markt stabilisieren.