Die Berner Fachhochschule (BFH) hat ihr Dienstleistungsangebot im Fachbereich Architektur, Holz und Bau neu strukturiert und dabei die Schnittstelle zwischen akademischer Forschung und Baupraxis konkretisiert. Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen können gezielt Expertise aus den Bereichen Bauphysik, Tragwerksplanung, Holzbau und digitale Planungsmethoden abrufen. Die Hochschule positioniert sich damit als Dienstleister für Aufgaben, die über klassische Forschungsprojekte hinausgehen.
Schwerpunkt Bauphysik und energetische Sanierung
Ein Fokusschwerpunkt der Dienstleistungen liegt auf bauphysikalischen Fragestellungen. Die BFH bietet Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern Messungen, Simulationen und Beratung zu Wärme-, Feuchte- und Schallschutz an. Besonders relevant sind diese Leistungen für Sanierungsprojekte im Bestand, wo energetische Optimierung und Bausubstanzanalyse eng verzahnt sind. Konkret umfasst das Angebot thermografische Untersuchungen, Luftdichtheitsmessungen nach Blower-Door-Verfahren sowie Raumakustik-Optimierungen für öffentliche Gebäude.
Für Planer und ausführende Unternehmen bietet die Hochschule zudem Machbarkeitsstudien zur seriellen Sanierung im Bestand an. Dabei werden vorgefertigte Fassadenmodule und Haustechnikkomponenten in Bestandsgebäude integriert – ein Ansatz, der Zeit und Kosten spart und gleichzeitig die Bewohner weniger belastet. Diese Dienstleistung richtet sich vor allem an Wohnungsbaugesellschaften und kommunale Immobilienverwalter.
Tragwerksplanung und Holzbau-Engineering
Im Bereich Holzbau und Tragwerkskonstruktion übernimmt die BFH statische Berechnungen, Bemessungen und Ausführungsplanungen für Projekte mit hohem Holzanteil. Gerade bei mehrgeschossigen Holzbauten, bei denen Brand-, Schall- und Tragfähigkeitsanforderungen komplex ineinandergreifen, unterstützt die Hochschule Planungsteams mit spezialisiertem Know-how. Die Dienstleistung umfasst auch die Entwicklung von Sonderkonstruktionen, etwa für weitgespannte Dachtragwerke oder hybride Systeme aus Holz und Beton.
Für Hersteller von Holzbaukomponenten bietet die BFH zudem Prüfungen und Zertifizierungsbegleitungen an. Dabei werden neue Verbindungsmittel, Holzwerkstoffplatten oder vorgefertigte Wandelemente nach europäischen Normen getestet. Die Prüfstände und Labore der Hochschule stehen auch für Produktentwicklungsprojekte zur Verfügung, bei denen Prototypen unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden.
Digitale Planungsmethoden und BIM-Beratung
Die BFH unterstützt Planungsbüros beim Einstieg in digitale Arbeitsmethoden. Das Dienstleistungsportfolio umfasst BIM-Schulungen, die Entwicklung von BIM-Execution-Plänen und die Begleitung bei der Implementierung von Autodesk- oder Allplan-basierten Workflows. Für kleinere Büros, die bislang überwiegend in 2D arbeiten, bietet die Hochschule niedrigschwellige Pilotprojekte an, um den BIM-Einstieg im kleinen Architekturbüro praxisnah zu gestalten.
Darüber hinaus übernimmt die BFH die Qualitätssicherung von BIM-Modellen in laufenden Projekten. Koordinationsprüfungen, Kollisionserkennung und Mengenermittlung aus dem Modell gehören zu den Standardleistungen. Für öffentliche Auftraggeber, die eigene BIM-Richtlinien entwickeln wollen, bietet die Hochschule Beratung und Workshops an.
Fassadenplanung und Gebäudehülle
Im Bereich Fassadentechnik unterstützt die BFH bei der Entwicklung und Optimierung von Gebäudehüllen. Das Spektrum reicht von der Detailplanung hinterlüfteter Holzfassaden über Curtain Wall-Systeme bis hin zu adaptiven Fassaden mit integrierten Verschattungs- oder Lüftungselementen. Besonders gefragt sind Beratungen zu hygrothermischen Risiken bei mehrschichtigen Fassadenaufbauten, etwa bei der Kombination von Innendämmung und historischer Bausubstanz.
Für Hersteller wie Schüco oder Lindner Group bietet die Hochschule zudem Produkttests an, bei denen neue Fassadensysteme auf Luftdichtheit, Wasserführung und Windsogsicherheit geprüft werden. Die Labore der BFH verfügen über entsprechende Prüfstände, die auch extreme Witterungsbedingungen simulieren können.
Beratung für kommunale Bauvorhaben
Kommunen können die BFH für Machbarkeitsstudien, Variantenvergleiche und Nutzungskonzepte einbinden. Typische Aufgaben sind die Bewertung von Schulhausanierungen, die Entwicklung von Holzbau-Modulkonzepten für Kindergärten oder die Planung von CO₂-neutralen Verwaltungsgebäuden. Die Hochschule übernimmt dabei keine Generalplanung, sondern liefert Entscheidungsgrundlagen und Fachgutachten, die in politischen Gremien oder Vergabeverfahren verwendet werden.
Für Stadtplanungsämter bietet die BFH zudem Analysen zur städtebaulichen Verdichtung an. Dabei werden Potenzialflächen identifiziert, Aufstockungsoptionen bewertet und Grundrissvarianten entwickelt. Diese Dienstleistung richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Gemeinden, die keine eigenen Planungsabteilungen unterhalten.
Zugang und Abwicklung
Interessenten können die Dienstleistungen über die zentrale Website der BFH anfragen. Die Hochschule prüft dann die Machbarkeit und erstellt ein individuelles Angebot. Die Abwicklung erfolgt in der Regel projektbasiert, teils auch als längerfristige Zusammenarbeit bei Rahmenverträgen. Finanziert werden die Dienstleistungen vollständig durch die Auftraggeber, sie sind nicht Teil der öffentlichen Grundfinanzierung der Hochschule.
Die BFH bindet in viele Dienstleistungsprojekte auch Studierende ein, die so praxisnahe Erfahrungen sammeln. Diese Koppelung von Lehre und Praxisauftrag ist Teil des didaktischen Konzepts der Fachhochschule und wird bei der Projektplanung berücksichtigt. Auftraggeber profitieren dabei von einem erweiterten Bearbeitungsteam, das unter Supervision erfahrener Dozenten arbeitet.
Einordnung in die Hochschulstrategie
Das Dienstleistungsangebot der BFH ist eng mit den Forschungsschwerpunkten Architektur, Holz und Bau verzahnt. Projekte aus der Praxis liefern Fragestellungen für Forschungsvorhaben, umgekehrt fließen Forschungsergebnisse direkt in die angewandte Beratung ein. Die Hochschule plant, das Angebot künftig um Themen wie Kreislaufwirtschaft im Hochbau und digitales Facility Management zu erweitern. Auch die Weiterbildung in Architektur und Holzbau wird perspektivisch stärker mit den Dienstleistungen verknüpft, um Fachkräften praxisnahe Qualifikationen zu ermöglichen.